Mittwoch, 25. Juli 2012

Wie Weihnachten ..

Es muss nicht immer in der Weihnachtszeit sein, wenn grosse Pakete zuhause bei einem eintrudeln. Und wenn man diese dann noch sehnlichst erwartet hat, dann fühlt man sich fast wieder wie ein Kind, wenn der grosse Karton endlich da ist und man das Paket aufmachen darf.
Paket aus Frankreich
In diesem Fall kam das Paket von unserem französischen Partner Raidlight. Der 1999 gegründete von dem Trailrunner Benoit Laval gegründete französische Hersteller versteht sich als Produzent für leichte, ergonomische Outdoor-Produkte zu akzeptablen Preisen. Er greift dabei auch auf bei uns noch nicht so bekannte Materialien wie beispielsweise Bambus zurück. Respekt für das Produkt und Leidenschaft werden beim Hersteller gross geschrieben. Und wenn es heisst "diese Produkte sind fürs Abenteuer gemacht", dann kann ich das nach meinen sehr positiven Erfahrungen im Frühjahr guten Gewissens nur bestätgen. 

Erste Bekanntschaft mit den Produkten habe ich letztes Jahr bei verschiedenen Läufen im frankophilen Raum gemacht. Besonders die Rucksäcke sind dort relativ weit verbreitet und machen qualitativ sowie von ihrer Funktionalität auf mich einen guten Eindruck. Als Michael und ich uns dann im Frühjahr nach adäquatem Material für den Transalpine-Run umschauten, kam mir dann zwangsläufig wieder dieser Hersteller in den Sinn. Wir bestellten probeweise je ein Lauftrikot und ich mir auch noch eine Hose.
Unser Teamtrikot
Die Hemden überzeugten uns auf ganzer Linie: leicht, sehr angenehm zu tragen und funktional. Der hohe Kragen der Hemden verhindert beispielsweise das Scheuern von Rucksackgurten am Hals, dank dem Reissverschluss hat man bei dem ohnehin schon gut durchlüfteten Hemd auch bei wärmeren Temperaturen eine zusätzliche Frischluftzufuhr. Und wer noch eine kleine Tasche braucht, findet auch diese in Hemd und Hose. Sie trocknen schnell und zudem sind die Hemden nach mehrmaligem Tragen ohne Wäsche immer noch sehr geruchsneutral und fangen nicht gleich an zu müffeln. Ausser im Training habe ich das Raidlight-Trikot bereits beim meinen drei Läufen in Paris, auf Mallorca und in Heidelberg getragen und bin absolut überzeugt, dass wir hier eine gute Wahl getroffen haben. Auch das weitere Sortiment von Raidlight ist durchdacht und funktional, was die vielen hervorragenden Testergebnisse in Fachzeitschriften bestätigen. Genau der richtige Partner also für uns, da wir noch einiges an Material für den Lauf zu ergänzen hatten und natürlich auch einheitlich als Team auftreten wollen. Das Abenteuer kann bald kommen!

Sonntag, 22. Juli 2012

Abstecher in die Chiemgauer Alpen




Um mich mit dem alpinen Gelände etwas anzufreunden, meine Schwindelfreiheit zu testen und so weiter habe ich mich zu einem Abstecher in die Chiemgauer Alpen entschlossen. Ich bin der Einladung einer guten Freundin und deren Ehemann gefolgt, die beide passionierte Kletterer und Läufer sind und von unserem Vorhaben im September ziemlich begeistert sind. Untergebracht waren wir in Reit im Winkl, was strategisch günstig zwischen Kampenwand und Ruhpolding, unserem Startort beim Transalpine Run, gelegen ist.

Bei kleineren Abstechern habe ich die teilweise extremen Steigungen ausprobiert und meine Form etwas getestet. Am Freitag war das Wetter unbeständig und wir sind vom Parkplatz in Aschau zu einer wolkenverhangenen Kampenwand aufgebrochen. 
Eine Wanderung zwar nur, aber eine Steigrate beim Aufstieg von über 700 Metern pro Stunde verdeutlicht das relativ flotte Wandertempo mit leichtem Gepäck wahrscheinlich ganz gut.



Das letzte Stück zum 1664m hohen Ostgipfel führte über Felsen, ein mit Drahtseil gesichertes ausgesetztes Wegstück und erfordert gewisse Kletterfähigkeiten. Im Laufschritt kommt man dort jedenfalls nicht durch, Aufstieg fast in Zeitlupe. Oben am Gipfelkreuz war nach über 1000 Metern Aufstieg wegen der Wolken kein Blick zum Chiemsee möglich. Aber da es während der ganzen Zeit nicht geregnet hat, sind wir wenigstens trocken geblieben und haben keinen Grund zur Unzufriedenheit.

 
Bei der kurzen Rast auf dem Gipfel haben erstmal ziemlich aufdringliche und clevere Dohlen einen Teil der Verpflegung als Tribut gefordert, aber damit war hoffentlich das Glück beim Abstieg gesichert. Der Abstieg war fast noch langsamer als der Aufstieg, was aber laut Wolfgang, einem erfahrenen Kletterer, in diesem Gelände normal ist. Dabei habe ich auch Erfahrungen mit dem Stockeinsatz zur Unterstützung gemacht. Mit den geliehenen Alustöcken war ich zufrieden, meine Raidlight Carbon-Stöcke sind hoffentlich genauso gut und noch leichter. 


Am Samstag haben wir noch Ruhpolding etwas erkundet. Witzigerweise weiß man dort scheinbar nicht allzuviel vom Transalpine Run, wir konnten jedenfalls von den von uns Befragten nicht viele Informationen dazu bekommen. Weil das Wetter noch unbeständiger als am Freitag war und die genaue Route der ersten Etappe für uns nicht genau bekannt war bzw. die interessanten Abschnitte erst ein ganzes Stück von Ruhpolding entfernt liegen, haben wir auf einen Testlauf verzichtet.
Neben diesem kleinen Abstecher in den Chiemgau trainiere ich mittlerweile wieder voll und hoffe auf eine erfolgreiche Generalprobe Anfang August mit Markus zusammen an der Zugspitze.

Freitag, 6. Juli 2012

Abwechslung für Körper und Geist

Ein kleiner Rückblick auf meine letzten Trainingswochen - seit meinem letzten Bericht ist inzwischen schon einiges an Wasser den Neckar hinuntergeflossen. Nach den 4 Ultramarathons und dem Heidelberger Halbmarathon war ich körperlich aber auch mental etwas müde und brauchte eine Pause. Dies war auch alles genau so geplant: der Ultratrail auf Mallorca sollte schliesslich schon so was wie meine Generalprobe für den Transalpine-Run sein.

Den Mai machte ich komplett wettkampffrei: auch keine superlangen Läufe mehr, anstatt dessen mehr Radfahren und Schwimmen - Hauptsache etwas Abwechslung für Geist und Körper. Nachdem ich mich Mitte Mai körperlich wieder so halbwegs erholt hatte, begann ich mit einer intensiven Triathlon-Vorbereitung. Das hiess nach meinem Lauffokus im Frühjahr in diesem Fall insbesondere Einheiten auf dem Zeitfahrrad. Ob ich den Wechsel vom eher extensiven Laufen zum eher intensiven Triathlon bei meinem ersten Kurzdistanztriathlon Anfang Juni rechtzeitig hinbekommen würde, war mir nicht klar - aber einen Versuch war es wert. Durch die viele extensive Lauferei im Frühjahr hatte ich auf jeden Fall Tempo verloren und das wieder etwas zurückzuerlangen, würde sicher nicht von Nachteil sein. Der Wechsel gelang: bei dem Kurzdistanztriathlon im Elsass verbesserte ich trotz Wetterskapriolen sowohl meine bisherigen Schwimm- wie auch meine Laufzeit auf diesem Kurs. Beim Radfahren kam ich nicht ganz an meine Bestzeit ran, was aber auch an Regen und Wind gelegen haben mag. Bestätigt darin, dass mein für einen Triathleten doch sehr ungewöhnliches sportliches Programm im Frühjahr meiner Form nicht abträglich war, stand eine Woche der Triathlon im Kraichgau auf dem Plan - gleichzeitig offizielle Europameisterschaft über die Mitteldistanz. Auch hier konnte ich ganz gut mithalten: mit meiner Schwimmzeit war ich weniger zufrieden, doch die abermals relativ gute Platzierung zeigte, dass ich das Schwimmen noch nicht ganz verlernt hatte. Beim Radfahren büsste ich einige Plätze eine, doch summa summarum war ich auch hier mit meiner Performance nicht unzufrieden. Die Laufstrecke in Bad Schönborn liegt mir nicht sonderlich, so schaffte ich dort gerade mal einen 5 Minuten Schnitt pro Kilometer - aus meiner Sicht die einzig etwas enttäuschende Disziplin. Vielleicht war das auch einfach Restmüdigkeit von der Kurzdistanz eine Woche zuvor. Mit meiner Gesamtplatzierung konnte ich Anbetracht der Vorbereitung ganz zufrieden sein. Nun steht am Wochenende der letzte Triathlon für dieses Jahr auf dem Programm, dann beginnt nach einer kurzen Regenerationsphase die intensive Vorbereitung auf den Transalpine-Run. Trailläufe gehören sowieso nach wie vor zu meinem wöchentlichen Trainingsprogramm, nur sind sie derzeit nicht ganz so lange und technisch anspruchsvoll wie noch im Frühjahr. Die Technik wird dann ab Mitte Juli wieder trainiert – dann auch wieder das ein oder andere Mal in den Alpen. Der zwischenzeitliche Disziplinen-Wechsel hat mir auf jeden Fall etwas gebracht: ich bin wieder schneller geworden und die Lust auf schöne, längere Trailläufe ist nach einigen flachen und eher langweiligen Laufeinheiten inzwischen wieder gross.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Sportliches Doppel im April

Barranc de Biniaraix
Während Michael seine Verletzung auskurieren musste, machte ich im April einen „sportlichen Doppelwhopper“. 3 Wochen nach dem Traillauf in Paris war ich im Nachbarland Spanien beim Ultra Mallorca Serra de Tramuntana am Start. Der Lauf führt vom westlich gelegenen Anthratx über Valldemossa, Deia, Soller, Kloster Lluc in das im Nordosten der Insel gelegene Pollenca.
Am Ende standen auf meiner GPS-Uhr knapp 110 Kilometer und 4950 Höhenmeter zu Buche, das Ganze bei nahezu optimalen Bedingungen und herrlichem Frühlingswetter in etwas mehr als 20 Stunden. Landschaftlich ist die Streckenführung erste Sahne: am Küstenstreifen und oben im Hochgebirge gibt es herrliche Ausblicke auf Insel und Meer, weiter im Landesinneren bekommt man etwas mehr Einblicke in das Inselleben im Tramuntana-Gebirge. Einige der zu durchlaufenen Ortschaften sind auch für weniger sportliche Touristen ein beliebtes Ausflugsziel. Ein ausführlicher Bericht zu dem Lauf wird in der nächsten ULTRAMARATHON erscheinen.
Sierra de Cuber
Um den nicht vorweg zu nehmen, liefere ich den Bericht hier zu einem späteren Zeitpunkt nach. So viel sei zumindest gesagt: als Testlauf für den Transalpine-Run hat der Lauf seinen Zweck auf jeden Fall erfüllt. Ich weiss jetzt, worauf ich mich beim Material verlassen kann und wo ich noch etwas verbessern muss. Auch was meine Verpflegungsstrategie angeht, bin ich einen Schritt weiter.
Bucht von Pollenca
Das Rennen war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, ist absolut empfehlenswert und war alle Mühen wert.

Eine Woche darauf folgte der Heidelberger Halbmarathon. Das Rennen verläuft zwar in Teilen durch den Wald, doch bei den Wegen dort handelt es sich um gut ausgebaute Forstwege, deshalb passt dieser Lauf weniger in die Kategorie Trail-Running als viel mehr in die Bereich Panoramalauf. Mit der Überquerung der Alten Brücke, der Schleife durch den beliebten Stadtteil Neuenheim, Philosophenweg und Schloss-Wolfsbrunnenweg und dem Zieleinlauf vor der Alten Universität in der Altstadt sind definitiv einige Highlights der Stadt am Neckar dabei. Besonders am Neckar, auf dem Philosophenweg und später am Schloss bieten sich einem einige tolle Panoramen. Mit über 400 Höhenmetern gehört dieser Lauf sicher zu den anspruchsvolleren Läufen, die man hierzulande auf dieser Distanz machen kann. Seit einigen Jahren wird in Wellen gestartet, die erste Gruppe setzt sich um 9:15 Uhr in Bewegung, die Gruppen dahinter starten dann mit jeweils 5 Minuten Abstand. Nach dem Ultra Mallorca Serra de Tramuntana ging es dieses Jahr für mich primär ums ankommen, eigentlich war der Lauf ja als gemeinsames Team-Event von Michael und mir geplant. Meine Füsse hatten sich gerade wieder soweit erholt, dass ich wieder gut laufen konnte. Nach dem Start hielt ich mich erstmal zurück und lief mit einem Kollegen. Mangels Training war ihm das aus meiner Sicht eher lockere Anfangstempo doch etwas zu hoch, so war ich hinter der Alten Brücke noch vor den ersten Steigungen dann doch alleine unterwegs. Hier auf der Nordseite des Neckars war es heute relativ schwülwarm, offenbar zu warm für einige, denn schon bald sammelte ich einen nach dem anderen ein. Am ersten Anstieg hält man sich besser noch zurück – die nächsten werden noch hart genug. Nach einer vom Trubel der Stadt weitgehend unberührten Bergabpassage im Mausbachtal geht es am Kloster Stift Neuburg in eine wenige hundert Meter kurze aber steile Rampe; so steil, dass die Ersten auf diesem Abstieg lieber gehen anstatt zu laufen. Beim Blick zurück kann man die Altstadt mit Alter Brücke idyllisch am Anfang des Neckartals liegen sehen. Oben erwartet einen eine grössere Zuschauermenge, die um die Schwierigkeit dieses Anstiegs weiss und jeden Ankömmling frenetisch anfeuert. Hinter der Verpflegung folgt dann eine schnelle vollkommen asphaltierte Passage in den Stadtteil Ziegelhausen. Am Ende des kleinen Ortskerns läuft man auf der Brücke über den Fluss in den Stadtteil Schlierbach. Erst flach am Neckar entlang geht es dann bei Kilometer 16 in den letzten Anstieg. Auf der folgenden (ebenfalls komplett asphaltierten) Passage fällt zumeist eine Vorentscheidung um den Sieg und das Gelingen des Laufes. Für mich zahlte sich hier das ruhige Anfangstempo aus, kam ich doch im Vergleich zu anderen Jahren recht gut hier hinauf - die moderate aber lange Steigung bis hinüber zum Heidelberger Schloss kann einen in müdem Zustand schon ganz schön mürbe machen. Ist man dann erstmal am Schloss, ist das fast wie eine Erlösung, denn von hier geht es nur noch bergab - teilweise jedoch auf Kopfsteinpflasterpassagen. Der Lauf durch das Zuschauerspalier in der Heidelberg Hauptstrasse gleicht dann für all diejenigen, die es bis hier hin geschafft haben, einem kleinen Triumpflauf. Ich für meinen Teil kam dieses Jahr mit 1:41 Std. rein. Zwar war das eines meiner schlechtesten Resultate in Heidelberg, doch eine Woche nach dem Ultratrail auf Mallorca war das mit dem doch eher zurückhaltenden Tempo mehr als zufriedenstellend. Der Lauf hat auf jeden Fall wieder grossen Spass gemacht, nur schade, dass Michael nicht mit von der Partie war.

Sonntag, 27. Mai 2012

Michael läuft wieder

Nach über vier Wochen Pause habe ich nun langsam wieder mit dem Training begonnen. Am Freitag konnte ich schon wieder über 1 Stunde laufen. Der Wiederbeginn war zwar ziemlich mühselig (nur 6er Schnitt und trotzdem Muskelkater danach), aber jedes mal geht es etwas besser und ich werde das kontinuierlich weiter steigern, bis ich wieder da bin, wo ich vorher war.
Bei der Ursachenforschung bin ich auch weiter gekommen: das Radfahren scheint wohl ein Mitauslöser gewesen zu sein. Ich hatte ja festgestellt, dass die Beschwerden sich in der Zeit, wo ich nur noch Rad gefahren bin, trotzdem weiter verschlechtert hatten. Jetzt habe ich ein paar Einstellungen korrigiert (Sattelposition und Position der Cleats an den Schuhen) und die positive Wirkung ist schnell spürbar. Heute bin ich schon wieder fast 3 Stunden gefahren, ohne das Kniebeschwerden aufgetreten wären.
Beim Laufen werde ich vorsichtiger sein müssen, zum einen weil die Belastung da für das Iliotobialband größer ist und zum anderen weil ich da zur Problemursache höchstens Vermutungen habe. Ich werde mich da also langsam rantasten. Im Moment bin ich erstmal froh, überhaupt wieder laufen zu können. (Ich kenne zwei Fälle in meinem Umfeld, wo die Knieschäden viel schwerwiegender sind und an laufen erst einmal gar nicht mehr zu denken ist...) - Keep on running!

Mittwoch, 18. April 2012

Verletzungspech bei Michael

Nachdem ich jahrelang keine Verletzungsprobleme hatte, hat es mich jetzt erwischt. Die Probleme hatten sich bereits vorher langsam angekündigt, am 1. April musste ich wegen starker Schmerzen im linken Knie meinen Lauf vom Königstuhl zurück nach Hause bereits abbrechen. Was es genau war, war zu dem Zeitpunkt aber noch nicht auszumachen. Da ich beim Radfahren keine Probleme verspürt habe, hatte ich mich voll darauf konzentriert. Letzten Sonntag hat dann ein Testlauf (den ich nach 35 Minuten wieder abbrechen musste) die Gewissheit gebracht: Iliotibialbandsyndrom (ITBS), auch bekannt als Läuferknie. Das bedeutet für die nächsten Wochen Trainingspause und auch der Heidelberger Halbmarathon, bei dem Markus und ich schon als Team Rhein-Neckar Wildcats starten wollten, fällt damit für mich aus. Ich gebe mir Mühe, mein Knie auszukurieren und werde über den Fortgang berichten.

Samstag, 31. März 2012

Eco-Trail de Paris Ile-de-France

Der Frühling kommt - das letzte Wochenende war wieder ein Traum: Sonnenschein und Temperaturen über 20°C -so muss Frühling sein. Auf mich wartete meine erste Wettkampfreise der noch jungen Saison. Sie führte mich ca. 540 Kilometer gen Westen in die Stadt der Liebe und des Lichts: zum Eco-Trail de Paris Ile-de-France. Dass ich dabei neben dem Sport auch eine schöne Portion Kultur bekam und meine Kenntnisse der französischen Sprachen wieder etwas auffrischen konnte, war ein schönes Extra, das den Lauf umso attraktiver machte. 

Die Veranstalter des Eco-Trail haben es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Erbe der Ile-de-France zu pflegen und bekanntzumachen. So führen die verschiedenen Strecken dieses Laufes an zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Region vorbei. Folgerichtig wird auch ein Teil der Einnahmen zur Sanierung und Renovierung von ebensolchen kulturellen Gütern gespendet. Damit auch die Athleten nicht zu kurz kommen, wurde nichts unversucht gelassen, um den Athleten zur 5. Ausgabe wieder eine rundum gut organisierte Veranstaltung und attraktive Strecke zu bieten. Und in der Tat: organisatorisch gab es wirklich so gut wie nichts auszusetzen. Der Kurs führte uns zu grossen Teilen durch Wälder und Parks, vom Trubel um Frankreichs Hauptstadt blieben wir weitgehend verschont. Die Strecke war gut markiert, verlaufen war kaum möglich. Die Helferwagen engagiert und versprühten passendem zum Frühlingswetter gute Laune. Die Verpflegungsstellen waren hervorragend ausgestattet, nur über den Geschmack des gereichten Iso-Getränks kann man unterschiedlicher Meinung sein. Wie der Name des Laufs schon suggeriert, wurde auf mehr als bei anderen Veranstaltungen an die Umwelt gedacht: so wurden Getränke nicht in Bechern ausgegeben, sondern die Läufer wurden angehalten ihre Becher selbst mitzuführen. Im Starterbeutel gab es ausserdem eine kleine Tasche, die sich hervorragend zum Entsorgen etwaiger Verpackungen eignete. Sehr vorbildlich! Angeboten wurden unterschiedliche mehrere Strecken: die Ultras hatten die Wahl zwischen 80 und 50 Kilometern. Auf meiner 50-Kilometer Strecke gab es lediglich 2 Verpflegungsstellen. Da das vorher bekannt war und zur Pflichtausstattung auch ein entsprechende Ausstattung gehört, war das aber kein Problem. Dafür waren die Verpflegungsstellen auch sehr gut ausgestattet und man musste auch nicht Schlange stehen wie bei anderen Veranstaltungen. 

Eröffnungsrunde am Bassin d’Apollon
Da ich den Lauf mehr als Vorbereitungslauf für kommende, längere Wettkämpfe sah und mir die 50-km Strecke mit ihrem Startpunkt im Park des Schlosses von Versailles am interessantesten erschien, meldete ich mich entschied ich mich gegen den langen Kanten mit 80 km und wählte die 50er Distanz, die wie sich herausstellen sollte noch genügend Herausforderung sein sollte. Wie man am morgendlichen Sprachengewirr im Starterfeld hören konnte und an den Flaggen auf den Startnummern auch sehen konnte, kamen die Teilnehmer aus allen Herren Ländern. Nach dem Start ging es beobachtet von zahlreichen Ausflüglern und anderen unbeteiligten Sportlern auf breiten Baumalleen um das grosse Bassin d’Apollon herum. Hat man den Park und Versailles nach den ersten flachen Kilometern verlassen, geht es ohne weitere Umschweife auf schmaleren Trails direkt in die Wälder und umliegenden Hügel. Bis Kilometer ungefähr Kilometer 42 sollten wir die dann nur noch vereinzelt verlassen. Von der Wegbeschaffenheit ist von breiten Forstwegen bis zu schmalen Trails alles dabei. Berge findet man hier zwar keine, doch flach geht anders: Steigungen hat es genügend und wer hier ohne Gehpause jede Rampe hinauslaufen will, sollte wirklich fit sein. Was meine Mitläufer anging, hatte ich den Eindruck, dass hier tendenziell mehr Traillaufanfänger unterwegs waren, die in den etwas schwierigeren Bergabpassagen eher langsamer agierten. Für Anfänger war der Lauf trotzdem ideal - richtig schwere Trias waren nicht dabei - das habe ich bspw. beim L'Infernal in den Vogesen schon ganz anders erlebt. Nur vereinzelt streift man auf dem Weg in nach Paris die Vororte der Millionenmetropole. Sobald man den Wald verlässt, sind immer ein paar Helfer da, die einem gleich den richtigen Weg weisen - verlaufen ist hier nicht. Immer wieder geht es auch mal durch kleinere und grössere Parkanlagen mit ihren typischen Baumalleen und kleineren Seen. Ziel aller angebotenen Distanzen ist der Eiffelturm an der Seine. 10 Kilometer vor dem Ziel bekommt man den Turm von der zweiten Verpflegungsstelle an der Domäne National de Saint-Cloud erstmals zu sehen. Bis hierhin hat man meisten Höhenmeter auch hinter sich. Leider ist hier ebenso der Trailspass nahezu beendet. Die letzten Kilometer über die Ile Saint-Germain und die Quais de Seine sind zu grossen Teilen auf Asphalt oder gut befestigten Wegen. Trotzdem ist die Strecke so allemal schöner als irgendein Stadtmarathon auf breiten Motorpisten. Am Ufer der Seine kommt man an unzähligen, alten Kähnen vorbei, auf deren Decks einige Bewohner noch frühstückten und uns vergnügt zuschauten. Wir passierten auch die Île aux Cygnes, an deren westlichen Ende man eine 11,50 Meter hohe Kopie der Freiheitsstatue sehen kann. Kurz vor dem Ziel läuft man durch den Parc de l'Ile Saint-Germain. Einlauf ist dann auf der Terrasse des Mail Branly oberhalb des Port Suffren vor dem Eiffelturm. Am Boulevard warteten schon Anhänger und weitere zahlreiche Zuschauer und feuerten uns auf den letzten Metern an. 

Teiche von Ville d’Avray
Bei mir lief es an diesem Tage noch nicht so rund: das Training im Vorfeld war etwas zu hart, zudem machte mir die Hitze stärker zu schaffen als ich dachte. Zu Beginn lief noch alles wie geplant. In Versailles liess ich das Feld sich erstmal finden und trabte nicht zu schnell an. Erst als es dann in die Trias und die ersten Anstiege ging, machte ich etwas mehr Tempo, ohne jedoch zu übertreiben. Bis zur ersten Verpflegung bei Kilometer 28 lief soweit alles ganz gut. Danach brachte mich das unruhige Streckenprofil etwas aus dem Rhythmus. Obwohl ich mich regelmässig verpflegte und trank, merkte ich trotzdem sowas wie Durst und musste immer mehr trinken. Bis zur Verpflegung bei Kilometer wurde es ein richtiger Kampf, doch die schöne Landschaft lenkte mich ab. Ich merkte ausserdem, dass es den anderen Läufern ähnlich ging. Als wir an die Étangs de Ville d’Avray kamen, wurden es langsam immer mehr Spaziergänger, die uns zuschauten. Die Teiche gehören zum nationalen Erbe Frankreichs. Sie versorgen auch die Brunnen im Schlosspark von Saint-Cloud mit Wasser - dort wartete dann endlich die nächste und gleichzeitig letzte Verpflegung auf uns. Ab Saint-Cloud waren es nur noch 10 Kilometer bis ins Ziel.
Noch 10 km
Der Anblick des Eiffelturm war von hier oben gleichzeitig aufbauend wie auch etwas einschüchternd - dass 10 Kilometer gefühlt sehr lange sein können, hatte ich auf dem letzten Abschnitt ja erst erlebt. Doch es wurde mit der flachen Strecke an der Seine immer besser und ich fand wieder besser zu meinem Rhythmus zurück. Das Iso in meinem Rucksack schmeckte überhaupt nicht, ich wollte das aber so gut es ging ignorieren und trotzdem regelmässig trinken.
An der Seine entlang
Leider rührte sich bei Kilometer 45 mein Magen ein erstes Mal unangenehm, doch ich konnte erstmal ohne Beeinträchtigung weiterlaufen. Doch schnell zeigte sich, dass ich mir in der prallen März-Sonne einen Sonnenstich eingefangen hatte. Leider hatte ich keine Kopfbedeckung dabei und musste dafür jetzt die Zeche zahlen. So lief ich nach einem unfreiwilligen Stopp bei Kilometer 45 wieder langsam an. Immer grösser baute sich der Turm vor mir auf und umso näher er kam, umso schneller wurde ich. Zudem hatte mich bei meinem Zwangsstopp ein Pärchen überholt, denen ich heute schon häufiger begegnet war. Mein Ziel war es sie vor dem Zieleinlauf wieder abzufangen, was mir schliesslich auch gelang. So fand der Lauf einen versöhnlichen Abschluss. 

Nach dem Zieleinlauf
Dass meine Platzierung unter den ersten 300 trotz meines eher durchwachsenen und zurückhaltenden Laufs noch relativ gut war, war fast etwas überraschend. Vielleicht ein Zeichen für die vielen Trailneulinge, die ich auf den technischen Abschnitten locker hinter mir liess. Letztendlich war es für mich ein schöner Trainingslauf. Ich kann ihn jedem empfehlen, der mal einen schönen Landschaftslauf in städtischen Umfeld machen möchte und nebenbei auch eine Reise in eine der schönsten Städte Europas machen möchte. Mit seinen 1000 Höhenmetern sollte man ihn allerdings nicht unterschätzen. Das Ziel auf der ersten Ebene des Eiffelturm blieb leider den Finishern der 80-km vorbehalten - wer also da rauf möchte, sollte sich auch überlegen, ob er sich nicht sogar an den langen Kanten wagt.